Wie gehe ich als Führungskraft mit einer Krise um? – Krisen können Teams auch zusammenschweißen

Krisen können Teams ganz schön viel Nerven kosten, Konflikte können entstehen, auf jeden Fall ist es für alle Stress. Doch Krisen können Teams auch zusammenschweißen und eine Chance sein um die Bereitschaft aller zu erhöhen sich auf Neues einzulassen, vorher für unmöglich geglaubte Prozesse und Herangehensweisen werden auf einmal als gute Lösung erlebt und das Team merkt, dass oft der worst case gar nicht eintritt und sie mehr können als sie sich selbst zutrauen. Und wenn dann doch mal was schief geht, dann kann, wenn das Team ausgewogen und konstruktiv reflektiert, auch daraus gelernt werden.

Doch wie gehe ich mit einer Krise als Führungskraft um?

Bei aller Dringlichkeit, die Krisen nun mal mit sich bringen, ist es wichtig, dass Sie als Führungskraft nicht aus dem Blick verlieren, was ist das Ziel, was wollen Sie alles erreichen, um die Krise abzuwehren? Wann und unter welchen Umständen wäre die Krise für Sie zu Ende?

Je klarer Sie in der Zielsetzung mit dem Team gemeinsam sind und nur wenn alle das Ziel kennen, können alle an einem Strang ziehen. Dies ermöglicht dem Team, dass es sich auf die Priorität fokussiert und Nebenschauplätze können so identifiziert und eliminiert werden. Dabei ist es wichtig, dass Sie und ihr Team sich mit dem Ziel identifizieren können. Denn gerade in Krisen wissen Außenstehende immer irgendetwas besser und sind mit guten Ratschlägen schnell dabei. Doch Sie sollten sich von Ihrem Ziel nicht weit durch solche gutgemeinten Ratschläge entfernen und ein bisschen mehr als sonst sollte es Ihnen nicht wichtig  sein, was andere von Ihnen halten (nicht zuletzt deshalb, weil Sie vielleicht auch unpopuläre Entscheidungen treffen müssen). Das heißt natürlich nicht, dass konstruktive und berechtigte Kritik abgewehrt wird und mit in der Zielfindung einbezogen werden sollten. Das wäre unvernünftig. Aber wenn Sie nach ausreichenden Überlegungen sich entschieden haben, legen sie los und achten Sie darauf, dass Sie Kontrollinstrumente haben, die Ihnen zeigen, ob Sie in die richtige Richtung marschieren.

Außerdem bestimmt das Ziel auch die Anforderungen an die Maßnahmen und wozu ich bereit sein muss, um mein Ziel zu erreichen, welche Kosten man bereit sein muss in Kauf zu nehmen, um das Ziel zu erreichen. Und auch mit welcher Dringlichkeit das Team sein Ziel erreichen muss.

Insbesondere in der Krise sollten Sie auch bestehende Ziele überprüfen und sich erlauben von diesen abzuweichen. Das kann sein, dass Sie neue Dienstleistungen und Produkte schneller und vielleicht auch noch nicht ganz ausgereift auf den Markt bringen, was vor der Krise für sie undenkbar war oder Kosten akzeptieren, die Sie vorher nicht bereit waren zu investieren.

Wie gehe ich mit den Problemen der Krise um?

Bei allen Schritten, die ich beschreibe empfehle ich, dass das Team so weit wie nur möglich mit einbezogen wird, denn sie werden die Maßnahmen am Ende umsetzten müssen. Dazu ist Transparenz und Klarheit besonders wichtig, damit alle wissen, was zu tun ist, weshalb es zu tun ist und wofür es zu tun ist. Dies erhöht auch die Effektivität, erhöht die Motivation und die Bereitschaft sich auch auf ungewöhnliche Schritte einzulassen.

Trotz aller Dringlichkeit steht am Anfang die Analyse und das ableiten einer Handlungsstrategie, die auf das Ziel ausgerichtet ist. Dabei ist wichtig, dass alle nach Ursachen fragen und nach konkreten Problemen, nicht jedoch die so gewohnte Frage nach der Schuld und dem Schuldigen. Ursachenforschung unterstütz in der Regel schon die Lösungsfindung. Wenn man weiß, was man nicht mehr tun sollte oder wie eine schwere Situation zustande kam und wie die Situation sich gerade darstellt, dann findet man genügend Anknüpfungspunkte, an denen man arbeiten kann und erste Lösungswege finden sich. Das ist hilfreicher im Vergleich zur bloßen Symptombehandlung. Denn ursachengerechte Lösungen sind langfristige Lösungen, die das Unternehmen nachhaltig stärkt auch für zukünftigen Krisen robuster macht.

Wenn die Ursachen und die Folgen der Krise herausgearbeitet sind, dann sollten konkrete Maßnahmen und eine Kommunikationsstrategie erarbeitet werden und kommuniziert werden. So sind alle best möglichst informiert und Gerüchte und Fehlentwicklungen können minimiert werden.

Möglichst bevor die ersten Maßnahmen umgesetzt werden, sollte auch besprochen werden, in welchem Umfang, wann und wie oft es Rückmeldungen zu den getroffenen Maßnahmen gibt und wie die Zusammenarbeit sich gestaltet. Gerade letzteres wird oft vergessen, denn Sachthemen stehen in Krisen häufig im Vordergrund und von jedem wird zurecht verlangt, dass er sich selbst zurücknimmt. Um so wichtiger ist es, dass es auch in regelmäßigen Abständen Raum gibt, um sich Luft zu machen, aber vor allem auch die Möglichkeit auf die positiven Aspekte der Zusammenarbeit zu schauen und Erfolge wahrzunehmen und diese auch zu verstärken.

Wie bereits erwähnt ist es aber auch wichtig, die Ergebnisse zu reflektieren. Somit gibt es in regelmäßigen Abständen eine Kontrolle wie wirksam die Maßnahmen sind und ob das Ziel nicht aus den Augen verloren wurde. Zusätzlich sind die Rückmeldungen  ein wichtiges Instrument, um erste Erfolge auch sichtbar zu machen.

Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass Meetings immer beides zum Inhalt haben (Positives und Negatives):

Was ist hilfreich, förderlich, erfolgreich, was müssen wir besser machen, wo müssen wir nachjustieren und wo brauchen wir Unterstützung?

Insbesondere Erfolgserlebnisse im Team wahrzunehmen und sind sie noch so klein sind für das den Teamgedanken und Teamgeist bedeutend, denn sie führen zu einem Bewusstsein, dass das Team der Krise nicht ohnmächtig ausgeliefert ist, sondern dass das Team dagegen arbeiten kann und sich wehren kann. Dies ermutigt zum weiter machen, motiviert und fördert das Selbstbewusstsein des Teams.

 

Neben der Aufmerksamkeit auf das gesamte Team ist es aber auch erforderlich, dass die Führungskraft auf einzelne Teammitglieder achtet. Nicht jeder kann mit Schwierigkeiten und Problemen gleich souverän umgehen. Oder ein einzelner Mitarbeiter hat gerade noch im privaten Bereich Probleme und schon ist es für ihn schwieriger im Vergleich zu unbekümmerten Zeiten auch beruflich noch mit Herausforderungen zurecht zu kommen. Hier muss sich die Führungskraft Zeit nehmen – auch wenn es im Stress schwerer fällt – Einzelgespräche zu führen, Verständnis und Mitgefühl zeigen und konkrete Lösungen gemeinsam mit dem Mitarbeiter zu erarbeiten, wie man mit der Krise souveräner umgehen kann. Welche Unterstützung es braucht und welche Verantwortung der Mitarbeiter für sich selbst hat.

Auch Angst kann den Mitarbeiter in Krisenzeiten begleiten. Diese darf nicht tabuisiert werden, sondern gemeinsam mit dem Mitarbeiter sollten Sie diese Angst ernst nehmen und sich überlegen, wie man mit Situationen umgehen kann, vor denen der Mitarbeiter Angst hat und wie man auch hier wieder den Handlungsspielraum für den Mitarbeiter erweitern kann.

Selbstfürsorge nicht vergessen

Bei aller operativer Hektik und Notwendigkeit sollte die Führungskraft trotz Verantwortung und Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern, Kunden und Unternehmen sich selbst nicht vergessen. Das beginnt damit, dass auch die Führungskraft Pause machen sollte, sich Zeit zum innehalten zugesteht, nicht auf alles sofort eine Antwort haben muss und damit sich selbst nicht in die Retter -Rolle begibt, sondern weiterhin die Mitarbeiter in Mitverantwortung, Eigenverantwortung und die Selbständigkeit bestärkt, ja sogar umso mehr einfordert, denn gerade jetzt kann sich zeigen, dass das Team zu vielem selbst fähig ist und Eigenverantwortung übernehmen kann, wenn man es lässt. Vertrauen in das Team jetzt zahlt sehr stark auf das Vertrauenskonto in der Zukunft ein.

Damit verhält sich die Führungskraft auch so, dass viele Mitarbeiter dieses als Vorbild annehmen können und auch die Führungskraft als Teil des Teams wahrgenommen wird.

Fazit:

Krisen sind auch Chancen für die Zukunft und können Teams zusammenschweißen, weil sie eine erhöhte Kommunikation erfordern, dem Team aufzeigen, wozu es fähig sein kann und gemeinsam überwundene Herausforderungen Zusammenhalt erfordern. Die Teammitglieder lernen sich noch einmal ganz anders in Stressigen Situationen kennen und es gibt viele Momente in denen das gegenseitige Vertrauen aufgebaut werden kann. Überwundene Krisen fördern das Selbstvertrauen, wodurch auch die Bereitschaft steigt, neue Wege zu gehen und den Mut zu haben, dass das Team auch ein Risiko eingeht. Dazu ist es wichtig, dass sich alle Zeit zum Reflektieren nehmen und sich bewusst machen, was sie geleistet haben. Ein gemeinsames Teamevent nachdem die Krise überwunden ist verstärkt das Gemeinschaftsgefühl noch einmal. Gehen Sie als Führungskraft als mit klarem Verstand und Mut der Krise entgegen und seien Sie ein Vorbild für Ihr Team.

Letzte Änderung am Montag, 15 Juni 2020 10:25
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