Jeden Tag etwas anders machen

Wie gehen wir mit Veränderungen und Routinen um?

30 Tage jeden Tag etwas anders machen, das war mein Motto im März, das ein Selbsttest für mich war, um zu sehen, wie geht es mir, wenn ich Routinen in meinem Leben verändere und welche Gedanken, Befürchtungen habe ich dabei und was können Führungskräfte daraus lernen.

Zuerst dachte ich, das wird aber ganz schön schwer, mir jeden Tag etwas Neues einfallen zu lassen, aber das Internet ist ein guter Impulsgeber, so dass ich weit mehr als 30 Dinge gefunden habe, die ich anders machen kann. Ich beschloss dies auf meiner Facebook Seite zu dokumentieren und war überrascht wie vielen Lesern die Idee gefallen hat.

Die 30 Tage sind schon einige Tage vorbei. Was ist zurückgeblieben?

Für mich war dieses Experiment wirklich lohnend. Ich habe viel über mich und meine Gewohnheiten gelernt und viel darüber wie ich mit Veränderungen umgehe. Zudem habe ich ein paar neue Gewohnheiten dazugewonnen ein paar alte wieder schätzen gelernt.

Aber der Reihe nach:

Was habe ich denn jeden Tag anders gemacht?

Es waren Kleinigkeiten, wie zum Beispiel auf der anderen Bettseite schlafen, mal wieder alleine ins Kino gehen, einen Abend ohne Strom leben, 24 Stunden ohne Smartphone, neue Frühstücksgewohnheiten (unter der Woche wie am Wochenende Frühstücken, neue Plätze,..), neues Hobby ausprobieren (Mandala malen), keine Nachrichten hören, sehen, lesen,… keinen Kaffee trinken. Was genau ich noch gemacht habe finden Sie auf meiner Facebook Seite: https://www.facebook.com/Weiler.Coaching/

Geblieben ist das Mandala malen, in der Küche statt vor dem Frühstückfernsehn frühstücken, weniger Kaffee trinken und den Mut neue Dinge auszuprobieren, sowie viele neue Erkenntnisse über mich und meine Gewohnheiten.

Was habe ich über meinen Umgang über Veränderungen gelernt?

Nun, nicht jede Veränderung ist mir gleich leicht gefallen, aber je länger das Experiment ging, umso leichter war es, etwas anderes zu machen. Es fühlte sich für mich an, als ob ich eine Routine entwickelt habe, Dinge anders zu machen. Aber auch mein Mut stieg mit jedem erfolgreichen Tag. Es war nach ca. 15 Tagen alles nicht mehr so aufregend neu, die Erkenntnisse über mich wurden weniger, ich habe mir weniger Gedanken gemacht, was wenn es nicht funktioniert. Ich merkte ich atme weiter, wenn ich mal etwas nicht perfekt hinbekomme und gerade das Scheitern ermunterte mich, es nochmal auszuprobieren und dann richtig zu machen.

Besonders spannend fand ich darauf zu schauen, was motiviert mich, etwas Neues auszuprobieren oder bewährte Abläufe zu ändern.

Motivierend dabei waren die vielen positiven Kommentare meiner Follower. Ihnen/Euch allen mein herzlichstes Danke, Ihr habt mich wirklich unterstützt, dran zu bleiben und weiter zu machen.

Was mir auch deutlich wurde, wann immer ich das Gefühl hatte, dass mir etwas weggenommen wird, wie zum Beispiel, dass ich einen Tag keine Nachrichten hören durfte oder einen Tag ohne Handy aushalten durfte, war es für mich wichtig, dass ich das Gefühl hatte, ich bekomme etwas anderes dafür dazu. Zum Beispiel mehr Ruhe oder eine Belohnung in Form von einem leckeren Milchkaffe mit viel aufgeschäumter Milch oder ich habe mir einen Blumenstrauß gekauft.

Erschreckend fand ich, dass es Routinen gab, die sich schon sehr eingespielt haben. So sehr, dass ich schon ganz automatisch meinen gewohnten Ablauf abgespult hatte und gar nicht merkte, dass ich etwas anderes machen wollte. So zum Beispiel Kaffeetrinken am Morgen. Gerade morgens sind die Routinen so eingeschliffen, dass ich wirklich abends mir einen Zettel machen musste, um nicht zu vergessen, dass ich etwas anders machen möchte. Gleichzeitig hat mir gerade der Tag ohne Kaffee auch gezeigt, wie viele Dinge sich schon eingespielt haben und ich mir einen Kaffee mache, wo es nicht nötig ist, sondern einfach Routine. Der Schock, dass ich schon so „abhängig“ von meiner geliebten Tasse Kaffee bin, dass sie über meine gute Laune entscheidet, hat dazu geführt, dass ich selbst heute noch Tee für eine Tasse Kaffee ersetzte.

Ich hatte auch einige Befürchtungen, Dinge anders zu machen, auch wenn sie rational völlig harmlos waren oder ich schon ähnliche „Herausforderungen“ gemeistert habe: Wie zum Beispiel auf der anderen Bettseite schlafen: ich fragte mich, ob ich dort genauso gut einschlafen kann wie auf der Seite auf der ich immer schlafe. Am Ende stellte sich heraus, dass alles halb so schlimm ist und ich gut auf der anderen Seite meines Betts einschlafen kann, genauso wie ich das in einem fremden Hotelbett kann. Die Frage, wie es wäre ohne Spiegel einen Tag zu leben, konnte ich mir jedoch nicht ohne Risiko vorstellen, da ich nicht ordentlich gekämmt und ungeschminkt durch den Tag laufen wollte. Mag sein, dass das eitel ist, aber gerade wenn dann auch noch Geschäftstermine anstehen, wollte ich mich wohl fühlen und auch auf andere einen guten Eindruck machen. Gerade wenn es Kunden waren, von denen ich etwas wollte oder eben eine neue Beziehung aufbauen wollte.

Das Wohlfühlen ist besonders wichtig für mich gewesen, es gab mir Sicherheit, so zum Beispiel wenn ich mir ein neues Café ausgesucht habe, dann war mir bei der Wahl sehr wichtig, dass es von außen gut aussieht. Als die Kellnerin beim Betreten des Lokals freundlich und herzlich begrüßte, da kam genau dieses Wohlfühlen und Sicherfühlen auf, das ich brauchte, um nicht doch zu meinem alten bekannten Café zu wechseln. Wäre im Café die Atmosphäre unpersönlich gewesen und ich ein unwohles Gefühl gehabt hätte, hätte ich mich entschieden das Café zu verlassen.

Die Befürchtungen, ob ich etwas anders mache oder nicht kamen auch immer dann auf, wenn ich glaubte, dass etwas (für mich) Wichtiges auf dem Spiel stand. Auch wenn es nur um Kleinigkeiten geht, wenn es wichtig war, bevorzugte ich dann doch die Routine und nicht das Neue selbst wenn mein Verstand mir sagte, dass das Neue auch neue Möglichkeiten und Chancen mit sich bringen oder für Außenstehende gar nicht sichtbar sein werden. Ich wägte genau ab, wie groß das Risiko ist von der Routine abzuweichen und wieviel Sicherheit mir die Routine in der Situation gibt. Je höher die Sicherheit mit der Routine und je höher das Risiko im Falle des Scheiterns, umso mehr weigerte ich mich, die Neuerungen auszuprobieren. Hier half mir, wenn ich vorher Zeit zum Üben hatte, bevor ich an die Öffentlichkeit mit der Neuerung ging.

Auch wenn ich manche Veränderungen nicht mehr wiederholt habe, wie zum Beispiel die Zähne mit links putzen: Es dauerte einfach zu lange, es war umständlich und auch wenn ich weiß, dass mit etwas Übung auch links das Zähneputzen problemlos und wahrscheinlich auch schnell werden würde, für mich hat sich der Aufwand mich darauf einzustellen nicht gelohnt – es läuft ja bestens mit rechts, warum Gutes ändern? Hier brauchen auch im Berufsleben Führungskräfte gute und stichhaltige Argumente Abläufe zu ändern, die bisher schon sehr gut waren und zu Erfolgen führen. Ein bloßes: „Es wird bestimmt noch besser“ wird kaum jemanden aus seiner Komfortzone holen, gerade wenn die Verbesserungen nur minimal spürbar sein werden.

Sehr hilfreich war die Unterstützung von Beratern, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen, wie bei der Auswahl des ersten Krimis, den ich lesen wollte. Der Buchhändler hat mich wirklich sehr gut beraten, der Krimi ist spannend und die Handlung fesselt mich. Und bestimmt werde ich mir wieder einen Krimi zum Lesen kaufen. Ein weiterer Gewinn in meinen routinierten Abläufen.

Auch die Freizeitaktivitäten zu verändern war eine Bereicherung: Ich achte in Zeitungen mehr auf Kreuzworträtsel, die ich nun bei genügend Zeit löse. Und ich habe festgestellt, dass Mandalas zu malen, mich entspannt und mir viel Freude machen. Außerdem beginne ich bereits mir etwas mehr Mühe zu geben wie zum Beispiel beim Ausmalen der Flächen. Hinzu kommt, dass ich neue und bessere Stifte gekauft habe, damit ich besser die Flächen ausmalen kann. Es macht Spaß besser zu werden.

Diese positive Erfahrung hat mich dazu gebracht auch weitere Hobbies auszuprobieren. Nächste Wochen steht ein Gesangskurs an, der für vier Wochen lang mir die Möglichkeit gibt auch hier wieder etwas Neues auszuprobieren.

Sehr leicht sind mir die Dinge gefallen, die für mich eher eine Belohnung waren, wie einmal auch unter der Woche ein schönes Frühstück zu machen, so wie ich das am Wochenende manchmal mache. Diese Veränderung war sehr einfach und hat mir keine Mühe gekostet. Der Mehraufwand war problemlos, ich dachte nicht mal darüber nach und das frühere Aufstehen war auch einfach, gerade mit den guten Aussichten auf ein schönes Frühstück.

Fazit:

Insgesamt hat mir der Test geholfen mit Gewohnheiten achtsamer umzugehen. Sie mehr zu schätzen, wenn sie gut funktionieren und sie mehr zu hinterfragen, wenn sie zwar gut funktionieren, aber mich vielleicht ein bisschen zu sehr einschränken in meinem Denken und Handeln und mir den Weg für Handlungsmöglichkeiten versperren. Der Test hat mich ermuntert neue Dinge auszuprobieren und Altes kritisch zu hinterfragen. Zu guter Letzt bin ich mutiger geworden auch nach Ende des Tests Neues auszuprobieren.

Erfahren Sie im nächsten Artikel, was Führungskräfte aus dem Test lernen können.

Letzte Änderung am Sonntag, 15 November 2020 15:35
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