Persönlichkeitscoaching: Vom richtigen Umgang mit Kritik

Ein Artikel in der Zeitschrift ManagerSeminare (Oktober 2010) befasste sich mit dem Thema Kritikfähigkeit von Führungskräften. Dieser Artikel fesselte mich und ich beschloss mich mit dem Thema mehr zu beschäftigen, denn Kritikfähigkeit ist nicht nur ein Thema für Führungskräfte. Heraus kam, dass ich nun am 03.09.2011 an der VHS in Köln einen neuen Kurs mit dem Titel: „Vom richtigen Umgang mit Kritik" anbiete, das Thema Kritikfähigkeit wird nun auch in meinen Führungskräfteseminaren immer wieder behandelt und der Blogbeitrag den Ihr gerade lest.

 

Die meisten haben kein gutes Gefühl, wenn sie das Wort Kritik hören und schon gar nicht, wenn es von einer ihnen wichtigen Person entgegengebracht wird. Aber was genau ist mit Kritikfähigkeit gemeint? Und wie kann ich kritikfähiger werden? Kann ich das überhaupt lernen? Diese Frage ist Annette Bruce in Ihrer Dissertation (Kritikkompetenz im Management. Der Einfluss der Kritikkompetenz auf den beruflichen Erfolg, 2006) nachgegangen: (Download http://kups.ub.uni-koeln.de/volltexte/2007/1930/ ). Der Blogbeitrag stützt sich auf diese Dissertation. Alle Daten sind aus den Untersuchungen von Annette Bruce.

Kritik ist mehr als Feedback, es ist mehr eine neutrale Rückmeldung zu einem Verhalten. Kritik beinhaltet auch immer den Wunsch des Kritikgebers, dass der Kritiknehmer sein Verhalten ändert/verstärkt. Dabei ist keinesfalls damit gemeint, dass Kritik nur negative Inhalte hat, sie kann sich durchaus auch auf noch nicht genutzte Stärken beziehen. Im Alltag nehmen wir Kritik aber häufig dann erst als solche wahr, wenn sie uns auf negatives Verhalten aufmerksam macht.

Da Kritik auch immer bedeutet, dass mindestens zwei Menschen miteinander kommunizieren, bezieht sich die Kritikfähigkeit auch auf beide. Wenn man derjenige ist, der Kritik gegenüber einer anderen Person äußert, dann ist die aktive Kritikfähigkeit gefragt. Diese Form der Kritikfähigkeit wird bereits in vielen Führungs- und Kommunikationsseminaren trainiert. Die Fähigkeit Kritik von einer anderen Person zu erhalten, diese zu akzeptieren und angemessen zu reagieren, nennt man passive Kritikfähigkeit und wird oft im Training vernachlässigt.

Beide zusammen machen die Kritikkompetenz aus.

Nach der o.g. Dissertation von Annette Bruce ist die hier geforderte soziale Kompetenz besonders unter dem Aspekt der Kommunikationsfähigkeit zu sehen. Welche Eigenschaften braucht man, um kritikfähig zu sein?

Für die aktive Kritikfähigkeit hat die Erhebung ergeben, dass Humor, Kooperationsbereitschaft, Perspektivübernahme, Konfliktbereitschaft sowie Selbstwert und Selbstüberwachung eine entscheidende Rolle spielen. Um auch ein kompetenter Kritiknehmer zu werden, ergab die Studie, dass zu den bereits genannten Fähigkeiten noch

Veränderungsbereitschaft, Open-Mindness, Einsichtsfähigkeit und Reaktanz (="Reaktanz: Phänomen des Widerstands gegen wahrgenommenen Beeinflussungsdruck" Aus Gabler Wirtschaftslexikon) hinzukommen müssen.

Die gute Nachricht: Kritikfähigkeit kann erlernt werden.

Es gibt drei Möglichkeiten Kritikfähigkeit zu erlernen, die allerdings sich gegenseitig beeinflussen und voneinander abhängig sind.

So bestimmt die Umwelt zum Beispiel unser Verhalten, indem wir auf bestimmte Reize reagieren. Dadurch entstehen neue Verhaltensmuster und alte gehen eventuell verloren. Aber auch die (Unternehmens-) Kultur und die jeweilige Situation beeinflussen unsere Kritikfähigkeit.

Die zweite Möglichkeit, die eigene Kritikkompetenz zu steigern ist, das eigene Verhalten zu verändern, sei es indem wir andere beobachten oder über uns selbst reflektieren. Auch die Methode über Versuch und Irrtum das passende Verhalten zu finden ist möglich, jedoch nicht besonders effizient und natürlich gehört es auch dazu, zu lernen Kritik erst einmal auszuhalten. Ein sehr gutes Mittel um Kritikfähigkeit zu erlernen ist, wenn man sich Regeln aufbaut und diese (für sich, die Gruppe) formuliert.

 

Zuletzt nennt Annette Bruce die kognitiven Fähigkeiten, die wir nutzen können. Zum Beispiel: die richtige Reizauswahl treffen, unser Verhalten, die Situation und die Kritik inhaltlich analysieren, andere beobachten und über Modelle lernen (hier erkennen wir, wie sehr sich die drei Determinanten gegenseitig beeinflussen.

Neben den genannten Punkten ist es ebenfalls hilfreich den Aspekt der Motivation nicht zu vernachlässigen, denn wenn ich Kritik äußere, dann ist es hilfreich, wenn ich mich in mein Gegenüber hineinversetzte und mich Frage: Was motiviert speziell mein Gegenüber, die Kritik zu akzeptieren und in Kommunikation mit mir zu bleiben? Wenn man selbst Kritik entgegennimmt, dann sollte man sich Fragen, was einen selbst motiviert um sein eigenes Verhalten zu verändern und dies dauerhaft beizubehalten.

Wieso aber lohnt es sich Kritikkompetenz aufzubauen?

Die Studie hat ergeben, dass die Karriere deutlich von der Kritikkompetenz der einzelnen Personen abhängt. Aber auch ohne Karriereabsichten lohnt es sich meiner Meinung nach sich mit dem Thema zu beschäftigen, denn die Kritik andere Menschen kann das eigenen Leben bereichen und jeden unterstützen sich weiterzuentwickeln. Kritik anderer hilft über den Tellerrand hinaus zu schauen und auch blinde Flecken zu erkennen. Man wird auf Verhaltensweisen aufmerksam gemacht, die man selbst vorher nicht erkannt hat oder nicht bewusst wahrgenommen hat. Zu guter Letzt hilft rechtzeitige Kritik auch dazu das zwischenmenschliche Miteinander zu vereinfachen. Denn woher soll der andere wissen, was mich stört, wenn ich es nicht sage?

Letzte Änderung am Donnerstag, 05 April 2018 14:46
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