Leben Sie auch in einer VUCA-Welt?

Die Welt wird immer unübersichtlicher und bringt damit viel Intransparenz und Unsicherheit mit sich. Führungskräfte sehen sich heute einer Umwelt ausgesetzt, die geprägt ist von schwankenden Zyklen, schwer zu interpretierenden Entwicklungen und Dynamiken, die nicht vorhersehbar sind.

VUCA steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambivalenz und dient als Diagnose-Instrument für das Geschäftsumfeld, in der sich Unternehmen bewegen. Es zeigt auf welche dieser Komponenten oder deren Kombination gerade die Problemtreiber sind. Daraus kann dann das Management Strategien ableiten, die hilfreich für das Unternehmen sind. Doch wer glaubt, er hat in VUCA ein Instrument gefunden, das Stabilität und einen strengen Fahrplan in die Unternehmen zurückbringt, der hat sich getäuscht. Agilität und Flexibilität sind gefragte Eigenschaften, die Teams, Führungskräfte und jeder einzelnen im Unternehmen aufbauen und nutzen sollte.

Wie können Führungskräfte darauf reagieren und woher wissen Sie, was gerade zu tun ist? Das Akronym VUCA geistert durch die Führungsebenen. Es stamm ursprünglich aus dem Militärkontext und wurde entwickelt, um sich mit der Veränderung der Kriegsführung auseinanderzusetzten. Es wurden Entscheidungsträgern bewusst Unterstützer zur Seite gestellt, die die Entscheidungen hinterfragten, um routinierte Denkweisen zu durchbrechen.

Wofür steht VUCA?

VUCA ist ein Akronym und kein Begriff! Das bedeutet, dass VUCA als Strategie-Instrument, dann unterstützt, wenn alle vier Begriffe voneinander getrennt betrachtet werden und die Wechselwirkungen der einzelnen Begriffe mit in die Diagnose einbezogen werden. Wenn man VUCA als ein Wort betrachte und alle vier Begriffe zusammen als ein Phänomen beschreiben möchte, dann verliert man die Chance der präzisen Beschreibung und damit auch der Lösungsfindung.

Welche Begriffe verbergen sich hinter VUCA

V olatilität: schneller Wechsel, schnelle Fluktuation, Volatilität bedeutet die Dynamiken des Wandels, also wie die Natur und die Geschwindigkeit des Wandels ist. Volatilität beschreibt also die Schwankungsintensität in Bezug auf die Zeit. Heute wird in der Regel die Veränderungsgeschwindigkeit als sehr hoch empfunden. Unternehmen streben deshalb auch immer mehr nach Agilität und Flexibilität, um schneller auf den Wechsel reagieren zu können. Dies erfordert neue Organisationsformen, Management-Tools und eine neue innere Haltung gegenüber dem, was Führung heißt.

U nsicherheit:Der Mangel an Berechenbarkeit, das Maß an unkontrollierbarer Überrumpelung und ein fehlendes Gefühl von Bewusstsein und Verständnis für Themen und Ereignisse sorgen für Ungewissheit.“ (Business-wissen, 22.06.2016 „Was bedeutet VUCA“ von Melanie Vogel). Diese Unsicherheit entsteht dadurch, dass wir immer mehr und zum Teil widersprüchliche Informationen verarbeiten müssen, um ein Thema zu erfassen, es (technologisch, gesellschaftlich und in Bezug auf vorhandene Mittel) immer mehr Möglichkeiten gibt und auch die Gesellschaft und ihre nebeneinander existierenden Weltanschauungen, Werte und Lebensmodelle vielfältiger geworden sind. Damit ist es für Organisationen immer schwerer die Konsequenzen ihres Handels zu berechnen und den Erfolg im Voraus zu planen. Dies löst Unsicherheit aus, Entscheidungen müssen getroffen werden ohne die Kontrolle über die Folgen in aller Gänze zu haben. Um dieses Dilemma zu lösen, brauchen Führungskräfte und Ihre Teams Reflektionsmöglichkeiten, die ihnen ein tieferes Verständnis für ihre Themen und Umwelt ermöglicht, um bewusste Entscheidungen treffen zu können.

C omplexity/Komplexität: Gesamtheit aller voneinander abhängigen Merkmale und Elemente, die in einem vielfältigen aber ganzheitlichen Beziehungsgefüge (System) stehen. Unter Komplexität wird die Vielfalt der Verhaltensmöglichkeiten der Elemente und die Veränderlichkeit der Wirkungsverläufe verstanden.“ (Gabla Wirtschaftslexikon). Komplexität entsteht dann, wenn viele Beteiligte, viele Details zum Sachverhalt und viele Elemente und ihrer gegenseitigen Interdependenzen ein System beeinflussen. Dies macht es unmöglich, selbst wenn alle Einzelkomponenten eines Sachverhaltes bekannt sind, dass die Wechselwirkungen der Elemente und deren Reaktionen erkennbar werden. Es können keine linearen Zusammenhänge mehr gebildet werden, da der Einfluss zwischen den Elementen gegenseitig ist und damit unvorhersehbar wird. Selbst die kleinste Änderung eines Elementes, sei es noch so unscheinbar, kann große Auswirkungen auf das gesamte System haben. Systeme funktionieren weniger linear sondern durch die Dynamik, die die einzelnen Systemelemente untereinander auslösen.

A mbiguty: Viele Situationen und Sachverhalte sind mehrdeutig und lassen viel Interpretationsspielraum zu. Ursache sind hier komplexe und komplizierte Sachverhalte und Situationen, die aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden können. Jede Perspektive ist richtig, doch sie sind eben nur Teilaspekte und (noch) nicht zu einem Gesamtbild zusammen gewachsen. Dies führt dazu, dass es für Führungskräfte schwieriger wird zu entscheiden, was ist richtig und falsch, was ist gut und schlecht. Die Führungskraft braucht daher auch Zeit, um alle Informationen zusammen zu fügen und sich einen Überblick zu verschaffen. Es brauch eine klare und eindeutige Kommunikation zwischen den Organisationsmitgliedern und eine schnelle und eindeutige Informationspolitik.

Wie können Führungskräfte VUCA nutzen?

Zunächst ist VUCA ein Analyse-Instrument des eigenen Umfelds, das deutlich macht, wo die größten Schwachstellen und Stärken der Organisation sind und welche Maßnahmen eingesetzt werden können, um die Risiken zu verringern und Chancen zu nutzen.

VUCA kann auch als Analyseinstrument für die Personalentwicklung eingesetzt werden, um zu erkennen, was beschäftigt die Mitarbeiter am meisten, mit welchen Elementen von VUCA können sie schon souverän umgehen und worin brauchen sie noch Unterstützung. So kann VUCA auch als Personalentwicklungsinstrument genutzt werden. Die Methodenkompetenz der Mitarbeiter ist heute wichtiger denn je. VUCA kann Aufschluss darüber geben, welche Methoden die Mitarbeiter lernen wollen, worin sie mehr Routine brauchen und wie sie diese für ihren Alltag nutzen können.

Zuletzt kann jeder Einzelne VUCA für sich selbst nutzen als Reflexionstool, um seine VUCA – Situationen im Alltag zu erkennen und das eigene VUCA-Profil zu schärfen. Durch die Reflektion kann ich meine eigene Einstellung zu den Begriffen hinterfragen und für mich neue Denkmuster erarbeiten.

VUCA verdeutlicht, wie und wodurch unser Umfeld geprägt ist. Damit kann VUCA auch Zusammenhänge mit der Außenwelt einer Organisation verdeutlichen und erklärbarer machen. Es ermöglicht die Chance die tieferen Zusammenhänge zu verstehen und in einer von Wechsel, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeiten geprägten Welt eine Vision aufzubauen, die Orientierung gibt und Entscheidungs- und Handlungsspielräume eröffnet.

In den nächsten Artikeln gehe ich auf die einzelnen Begriffe detaillierter ein und zeige mögliche Ursachen für die Entstehung auf, welche Konsequenzen dies für das Management hat und was Führungskräfte tun können, um sich und ihr Team Fit für die Zukunft zu machen.

Letzte Änderung am Donnerstag, 05 April 2018 14:37
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